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CapoeiraDE_1
(here also in English)
Letztes Jahr im Winter hatte meine Freundin M. eine wunderbare Idee, sich bei einem Capoeira-Kurs anzumelden. Ich weiß gar nicht mehr, wie es passieren konnte, dass ich auch dort gelandet bin. Wahrscheinlich hat sie mir was in den Saft gemischt oder mich hypnotisiert. Nicht wahrscheinlich, sondern ganz sicher sogar, weil andere Erklärung, warum ich mich diesen Qualen Wochen lang unterzogen haben sollte, habe ich nicht. Offensichtlich war ich deswegen ziemlich traumatisiert gewesen und konnte diese Erfahrungen nur verarbeiten, in dem ich sie aufgeschrieben habe. Diese Notizen möchte ich jetzt hier veröffentlichen, zur Warnung und Abschreckung so zu sagen. Nicht dass noch jemand auf solche dummen Gedanken kommt.

Jan. 28

Kam vor kurzem nach Hause von einer Capoeira-(2)Stunde(n) mit meiner Freundin M. Ergebnis: blutige Blasen auf den Zehen und tierische Schmerzen beim Hinsetzen und Aufstehen (Treppen steigen kann man gleich vergessen). Warum sagt man Sport ist gesund, wenn man danach sich viel mehr krank füllt, als davor? Ein Paradox. Ah ja, und ich musste noch laut auf Portugiesisch singen!
Es war fast genauso schlimm, wie die Übungen selbst. Für die Portugiesisch Sprechende unter uns: Ich muss euch leider enttäuschen, ich kann es leider nicht wiedergeben. Das einzige, woran ich mich erinnern kann, dass es in ziemlich jeder Zeile das Wort „Capoera“ vorkam und ab und zu irgendwas, was wie „Linguini“ oder „Pinguini“ klang. Ich habe mir vorgestellt, dass ich da so stehen und irgendwas wie „Oh, Capoera! Du bist so toll, Capoera! Wir haben dich lieb, Capoera!“ singen muss. An mehr kann ich mich leider nicht erinnern. Meine ganze Konzentration war schon mit „ernst-gucken-nicht-lachen-gesangsähnliche-Lauten-produzieren“ aufgebraucht worden.
Also nächste Woche gehen wir wieder hin.

Jan. 30

Neues aus dem Klub der Masochisten, auch bekannt als meine Capoeira-Gruppe:
Kam – obwohl mein Fortbewegunsstill nur bedingt als “gehen” bezeichnet werden kann – vor kurzem von meiner Capoeira-2-Stunden nach Hause.
Ergebnis:

  • Neue Blasen, dafür aber auf dem anderen Fuss (vielleicht war der eine heute früh noch blasenlose Fuss auf den anderen Fuss einfach neidisch).
  • Keine neue Schmerzen. Wie auch? Es tat ja schon vorhin alles Mögliche weh!
  • Stolz auf mich selbst, weil ich es überlebt habe.
Mysterium des Tages:
Ich glaube, sie haben dort in der Halle, gerade an der Stelle, wo ich stand, eine Gravitationsanomalie. Jedes Mal bei der Übungen, wo man fast bis zum Boden runter gehen und dann wieder schnell hochkommen sollte, platschte mein Hintern auf den Boden, blieb dort wie fest genagelt und kam einfach nicht hoch. Entweder das oder bin ich einfach zu fett. Ah was! Hundertpro eine Gravitationsanomalie. Oh ja, und ich musste NICHT singen! Als wir sie die Instrumenten auspacken sahen, wussten wir schon, was kommt und haben die Flucht ergriffen. Deswegen blieb es heute nur beim physischen Leiden. Nächten Montag geht’s weiter. Ich muss ja das mit der Gravitationsanomalie näher untersuchen.

Feb. 6

Neues aus meinem Sportleiden: Kam – sehr langsam, aber ziemlich sicher und schon fast graziös – von meiner Capoeira-(Gott sei Dank nur eine) Stunde. Ich dachte immer, dass die Fähigkeit, die schlimmen Sachen schnell zu verdrängen, eine sehr nützliche Eigenschaft ist. Bis es sich rausgestellt hat, dass ich den letzten Montag komplett verdrängt habe und freiwillig, alleine, aus meinem warmen Homeoffice, in die minus 12 Kälte zum Capoeira gegangen bin (was habe ich mir dabei gedacht?).
Ich habe am Sonntag meine Wage nach 3 Monaten wiedergefunden. Danach hatte ich genug Motivation, um an der Stelle anfangen zu joggen, schwimmen und Capoeira machen gleichzeitig. Vielleicht hätte ich die Wage heute mitnehmen sollen, weil schon nach den ersten 5 Minuten des Trainings wollte ich mich auf den Boden legen und nicht mehr bewegen, bis jemand kommt und mich nach Hause trägt.
Erkenntnis des Tages:
Es ist keine gute Idee, sich vorm Sport (und vor allem schon gar nicht vor dieser besonderes grausamen Art dessen) 3 Tage lang größtenteils von Spagetti Bolognese zu ernähren.
Weil wenn man fast sein ganzes Gewicht auf einer Hand halten und dabei noch ein Spagat machen soll, spürt und verflucht man jede verdammte Nudel und verspricht sich, ab sofort sich ausschließlich von Gemüse zu ernähren. Gott sei Dank zählen solche Versprechungen nicht, weil unter Folterqualen man so ziemlich alles verspricht. Ich habe mir in diesem Moment sogar geschworen, kein Schockopudding mehr zu essen – so ein Unsinn! Jedenfalls ließ ich mich heute nicht zu lange quälen. Da war doch niemand dabei, der mich kennt und ich musste nicht ein auf cool machen.

Weiter geht es here.

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