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CapoeiraDE_2
(here also in English)
Letztes Jahr im Winter haben meine Freundin M. und ich uns bei einem Capoeira-Kurs anzumelden angemeldet. Offensichtlich war ich von den Erfahrungen, die ich dort gemacht habe, ziemlich traumatisiert gewesen und konnte damit nur fertig werden, in dem ich alles aufgeschrieben habe. Diese Notizen möchte ich jetzt hier veröffentlichen, zur Warnung und Abschreckung so zu sagen. Nicht dass noch jemand auf solche dummen Gedanken kommt. Das hier ist eine Fortsetzung. Den ersten Teil gibt es hier

Feb. 14

Neues aus der Welt der Schmerzen:
Kam grade nach Hause – zuerst ziemlich sicher, dann aber immer mehr mit Hilfe von Zäunen, Bäumen und unschuldigen Passanten – von gut 1.5 Stunden “Capoeira-Spaß”. Oh, wie wollte ich heute nicht hingehen! Die liebe M. hat mich schon wieder versetzt und die Gedanke daran, mich wieder alleine dem großen bösen Tier namens Capoeira zu stellen, versetzte mich in solche Verzweiflung, dass ich sogar anderen Kollegen Geld angeboten habe (nach dem Anflehen und Versenden von animierten weinenden Smilies via Chat nicht funktioniert hat), nur damit sie mitgehen. Aber natürlich haben sie auch schon mitbekommen, was hier so abgeht, und “eine Million Dollar” oder “ein Ferrari” hätte ich selbst gern.
So schleppte ich mich, auf dem Weg fast eingeschlafen, ohne jeglicher Hoffnung auf was anderes außer Schmerzen, aus reiner Sturheit des Geistes, gegen der Faulheit des Körpers (und weil ich meine Tasche schon gepackt habe) zu der Sporthalle. Und ich glaube selbst nicht, was ich da sage, aber ich hatte… Spaß (Schmerzen natürlich auch, aber das ist ja nichts Neues). Heute ausnahmsweise hatten wir eine weibliche Lehrerin. Aber da sie keine 5 kg Bizepsmuskeln pro Oberarm hatte, wie der Mann, der sonst die Übungen vormacht, waren die Übungen auch für die Leute zumutbar, die diese 5 kg definitiv nicht Muskeln woanders am Körper verteilt tragen. Ich kann jetzt sogar einen Drehkick, den angeblich in keiner anderen Kampfsportart gibt. Wer mich als nächster ärgert, kriegt’s vorgezeigt!
Eine schwarze Wolke an meinem sonst heute so blauen Capoeira-Himmel gab’s aber trotzdem. Schon beim Aufwärmen ist mir aufgefallen, dass aus 30 Leuten ich die Einzige bin, die eine schwarze Hose und ein dunkles T-Shirt trug, also so ziemlich “Afrocapoeirisch” aussah. Alle anderen hatten entweder weiße Capoeira-Hose und weißes T-Shirt an oder sahen im allgemein deutlich “weißer” als ich aus.
Ich machte mir erstmals nichts draus (vor allem weil meine schwarze Hose viel hübscher ist). Allerdings hat mich die Lehrerin und der Typ, der für die Anfänge schon letzte Woche Übungen vorgemacht hat, gefragt, ob ich heute zum ersten Mal da wäre. Dass denen mein so besonderer und absolut selbst erfundener Capoeira-Still von den letzten Wochen – ich nenne ihn liebevoll “Tanz des verwundeten Nilpferdchens” – gar nicht in Erinnerung geblieben ist, hat schon meine Gefühle verletzt. Viel schlimmer fand ich aber, dass sie nur mich gefragt haben (und wenn ich jetzt zurückdenke, das jedes Mal tun), obwohl da ein paar Leute dabei standen, im Vergleich zu denen ich mit meinem Still locker als ein Schmetterling des Capoeira-Universums durchgehen würde. Die trugen aber viel hellere Outfits.
So ein “Capoeira-Rassismus”… Und jetzt bleibt mir wahrscheinlich nichts anderes übrig, als mir ebenfalls solche weiße Hose zu zulegen, wenn ich nicht mein ganzes “Capoeira-Leben” als “farbige Minderheit” gelten möchte. So wie im echten Leben halt: man gibt ein Teil seiner Identität an, um der Gesellschaft/Klicke/Herde anzugehören und von der akzeptiert zu werden. Naja, wenn es nur Hosenfarbe ist, ist ja nicht schlimm. Zum Singen werde ich mich aber auf keinen Fall nochmal zwingen lassen, Herde hin oder her! Jeder hat nun mal seine Prinzipien.
Leider endeten damit meine Capoeira-Abenteuer. Meine liebe Freundin M. hat sich das Bein gebrochen und konnte nicht mehr mitgehen. Und ich konnte diese Südamerikanischen Qualen alleine nicht mehr ertragen. Was ist schon der Sinn des Leidens, wenn niemand zusieht? Seit dem mache ich nur Triathlon: Dougnats-Pizza-Häagen Dazs.

The End.

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